Ich habe ein Jahr in Bordeaux studiert, das wahrscheinlich bisher schönste Jahr meines Lebens, und einige Monate in Fontainebleau (bei Paris) meinen Master gemacht. Danach war mein Französisch so gut, dass ich immer gefragt wurde, woher ich in Frankreich sei (irgendwie klang ich nach Norden). Es war deutlich besser als mein Englisch und ich denke, ich habe auch die Französische Seele recht gut verstanden. Dann habe ich begonnen zu arbeiten, erst vor allem auf Deutsch and since three years more or less all day long in English. Und mein Französisch?! Perdu! Plus ou moins jedenfalls. Seltsamerweise ging damit auch meine Liebe zu Frankreich und mein Verständnis für Französische Besonderheiten etwas verloren (dafür habe ich Engländer sehr viel mehr zu schätzen gelernt, Humor und Britisch, hach).
Jetzt war ich das zweite Mal in 12 Monaten in Paris. Paris ist einfach so schön, also alleine schon die Häuser, dass man erst mal sagen muss: stimmt, das war schon verdammt cool. Wenn ich dann noch von der unglaublich charmanten Verkäuferin bei Comptoir de Cotonniers (ich würde dies Sachen zu ca. 80% mit großer Begeisterung tragen, leider waren noch keine SOLDES) in ein Gespräch verwickelt werde, was man einer 5-jährigen denn schenken könne und dafür für 10-jährige Tipps bekomme: dann flammt alte Liebe wieder auf. Französisch klingt so schön, wenn auch etepetete. Wenn man Französisch spricht, was bei mir sehr holprig daher kam, weil immer das Englisch dazwischengefunkt hat, dann sind Franzosen immer zu einem Austausch von Nettigkeiten bereit, auch in Paris. Das ist die Wahrheit! Franzosen sind dabei so charmant, dass man mit einem Lächeln von dannen zieht – Engländer machen hier eher einen guten Witz. Das ist auch gut! Wenn einem das in weiten Teilen Deutschlands passiert, fragt man sich, ob der Deutsche etwas von einem will. Nur ohne Französisch kommt man noch immer nicht weit. Der Unterschied zu vor ein paar Jahren ist jedoch, dass Französisch nicht mehr ganz so sehr erwartet wird. Ich weiß nicht, wie oft ich in 2.5 Tagen gehört habe, dass es schlimm ist, dass das Englisch nicht ausreicht. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, was in Französischen Schulen im Englischunterricht passiert. Vielleicht wird noch immer nicht gesprochen.
Alles in allem muss ich aber sagen: ich mag Euch doch noch sehr! Ihr habt auch einen coolen, schnellen Zug (TGV vs. ICE), der Charme, den jeder hat, der Stil, die Häuser, die Essenskultur (beim Essen an sich sind für mich die Italiener in Europa die Sieger), manchmal auch das Laisser-Faire verbunden mit einem “das geht sich schon aus”, das Gejammere (da sind Franzosen echt nicht weit weg von den Deutschen, wenn auch anders), die Blumigkeit des Französischen, das eigene Selbstverständnis, die Effizienz der Metro, la mode, dass alles Englische eingefranzösischt wird, die Süßigkeiten, der Köse, Lafayette, die Vielfalt mit Mittelmeer, Elsass, Atlantik, Alpen und dass man schön die Tür aufgehalten bekommt. Eigentlich immer (funktioniert auch in England). Daher liegen auf meiner à faire Liste: Insitut Français nach Konversationskursen googeln, mal wieder an den Atlantik und vor allem nach Bordeaux fahren, im Basin D’Arcachon frisch aus dem Basin geholte Austern mit jungem Weißwein essen – und wieder Franzosen verstehen.

